Das Land um
Volterra
(Text von V.Piasta)
Wer Volterra wirklich
kennenlernen will, der sollte sich auch Zeit für Ausflüge aufs
Land nehmen. Die Lage der Stadt hoch auf dem Hügel, umgeben von
Feldern, Wald und der sanft gewellten toskanischen Landschaft mit
ihrer typischen Vegetation erlaubt eine Vielzahl
interessanter Wanderungen und
Spaziergänge, Es würde den Rahmen dieser Informationen
sprengen, wollten wir alle sehenswerten Ausflugsziele
beschreiben. Wir haben deshalb einen Pfad ausgewählt, der den
Wanderer mit einem sehr charakteristischen Teil des Volterraner
Umlandes in Kontakt bringt. Unser Weg führt von der S.
Girolamo-Kirche vorbei an Landgütern, durch Olivenhaine den
Volterraner Berg hinunter, vorbei an der kleinen
romanischen Kirche von S.
Lorenzo einen
Römerpfad entlang, und schließlich hinauf auf den Monte
Voltraio, auf dem noch im Mittelalter der gleichnamige Ort
lag. Die Wanderung dauert ca. 3 Stunden (einfacher Weg), so daß
wir Ihnen empfehlen möchten, sich Proviant für eine Rast
mitzunehmen: Toskanisches (ungesalzenes) Brot, Salami nach
Hausmacherart («casalinga»), toskanischen Schinken und
Schafskäse («Pecorino») aus Volterra. Natürlich darf eine
Flasche toskanischer Rotwein nicht fehlen.
Von der Kirche S. Girolamo aus
folgen wir der asphaltierten Straße «Via di S. Girolamo» noch
etwa 100 m und gelangen unter einer
kleinen Brücke hindurch an eine Gabelung mit einem eisernen
Kreuz. Von hier aus führt unser Weg rechts hinunter ins Tal,
entlang der «Via Vicinale S. Cristina». Schon an der nächsten
Biegung erkennen wir in der Ferne unser Ziel: Den eigentümlich
geformten bewaldeten Monte Voltraio. Die folgende
kurzgefaßte Wegbeschreibung soll Ihnen Anhaltspunkte für das
Auffinden des nicht ausgeschilderten Wanderweges geben. Sollten
Sie zwischendurch fragen wollen, wie es weitergeht, so achten Sie
bitte auf folgende Zwischenstationen:
1) Casa Santa Cristina di Sotto
2) Casa Santa Cristina II
3) Casa Pinsano oder La Fornacchina
4) Casa S. Lorenzo mit der Kirche, Örtlichkeit (località) Strada
5) Casa Fontitatti (oder Ricciardi)
6) Villa Palagione auf dem Monte Voltraio.
Nach der ersten Biegung (rechts) kommt eine Dreifachgabelung. Wir nehmen den Pfad in der Mitte.
Vorbei an einem kleinen Madonnenbildnis mit Inschriften (1833/1897) nach links, immer bergabwärts. Der Pfad stößt schließlich auf einen befahrbaren großen Weg, vor uns Casa S. Cristina di Sotto. Den großen Weg rechts zum nächsten Haus, ca. 50 m. Kurz hinter dem Gebäude Wegegabel.
Dem befahrbaren Weg nach links hinunter folgen, bis zu einer großen Eiche, die neben einer kleineren Kastanie steht. Dort den großen Weg verlassen, nach rechts hinunter den Fußpfad entlang der Eichen am Hang gehen. Rechts liegt ein Olivenhain. Der Weg wird wenig begangen und könnte durch Gestrüpp etwas unwegsam sein. Er endet schließlich an einer befahrenen Sandstraße zwischen Gehöften. Wir gehen die Straße «<Via degli Allori», Lorbeerstraße) nach rechts und kommen an der Casa Pinsano vorbei. Nachdem wir weitere Landhäuser passiert haben, geht nach links ein größerer Abzweig ab (davor Schild «Vorfahrt beachten 150 m»).
Er führt hinunter zum Podere
(Landgut) S. Lorenzo a Strada. Das Wohngebäude zählt
mit seinen verschachtelten Dächern
und dem kleinen Glockentürmchen zu den
reizvollsten alten Landhäusern Volterras. Die gleichnamige
romanische Kirche wurde noch vor 1300 gebaut und im
Abgabenregister («decima») von 1302 zum ersten Mal
dokumentiert. Im Laufe der folgenden Jahrhunderte, besonders in
der Mitte des 18. Jh., wurden Ställe und Wohngebäude um die
Kirche herum errichtet, so daß sie heute integraler Bestandteil
des Komplexes ist. Von den An- und Überbauten abgesehen, weist
sie noch heute die alten romanischen Strukturen auf. Im Jahre
1444 wurde die «Ecclesia de S. Laurentii» nochmals erwähnt:
Das Domkapitel hatte sich bereit erklärt, sie den
Franziskanermönchen zur Gründung ihres Konvents zur Verfügung
zu stellen. Am 24.11.1444 wurde dann jedoch beschlossen, den
Konvent dort zu errichten, wo sich heute die Kirche S. Girolamo
befindet. Bis 1842 hing über dem Altar das Polyptichon
«Madonna mit Kind zwischen Heiligen» von Alvaro Pirez (1423
für die Kirche S. Agostino ausgeführt), welches jetzt in der
Pinakothek zu sehen ist. Der Besitzer zeigt Ihnen nicht nur gerne
die Kirche, sondern gibt Ihnen auch Informationen über Ferien
auf dem Lande in
Volterra (Tel. 0588 39080).
Der Wanderpfad führt rechts an dem Anwesen vorbei, die Via di Fontitatti hinunter. Die Steinpflasterung des Weges soll noch aus der Römerzeit herrühren. Im Mittelalter wurde er als Verbindung zwischen Volterra und Monte Voltraio benutzt. An der asphaltierten Straße 439d einige Meter nach links, dort geht ein befahrbarer Schotterweg ab. Wir passieren zunächst den Bauernhof Fontitatti und erreichen schließlich die Villa Palagione aus dem Jahre 1598, mit Kapelle und Nebengebäuden. Sie gehörte zunächst der Familie Minucci und im 19. Jh. der Familie Ricciarelli. Nachdem die Gebäude in den letzten Jahren immer mehr verfielen, wurden sie vor einigen Jahren von einer deutsch-italienischen Gruppe erworben, die daraus ein internationales Kulturzentrum hat entstehen lassen.
An der gegenüberliegenden Seite des Weges beginnt hinter einigen verlassenen Gebäuden der recht steile Aufstieg zu den Resten der Burg von Monte Voltraio (ca. 20 Min.).
Die Anwesenheit des Kaisers Otto I. von Sachsen am 12. Juni 967 belegt die Existenz und Bedeutung dieses Ortes schon zu einer Zeit, in der Volterra noch unter der Zerstörung durch die Ungarn (916) litt. Anfang des 13. Jh. wurde Monte Voltraio im Verlaufe der harten Auseinandersetzungen zwischen der Kommune Volterra und den Bischöfen aus der Dynastie Pannochieschi mehrfach angegriffen und zerstört. Später verfolgte Volterra sein Ziel der Unterwerfung der Burg auch durch Aufkauf von Gebäuden. Erst im Jahre 1252 jedoch wurde der Friede zwischen den beiden Städten dauerhaft, nachdem sich Monte Voltraio freiwillig der Kommune anschloß. Das denkwürdige Datum wurde von Meister Giroldus aus Lugano in einer Marmortafel festgehalten, die zunächst in der Nähe des «balco» angebracht war und sich heute an der Fassade des Baptisteriums von Volterra befindet. 1335 wurde die Festung von den Sienesen besetzt, jedoch von Pietro Belforti wieder befreit. Nach der Pest von 1348 war der Ort weitgehend entvölkert, und um 1500 wurden die Festungsanlagen von den Florentinern zum Teil abgerissen. Heute sind nur noch kleine Reste erhalten, darunter Mauern, das mehrere Meter tiefe Fundament eines Turmes und der schon erwähnte «balco», den man in Verlängerung der Linie Mauerreste - Turmfundament über eine kleine Senke erreicht. Es handelt sich dabei um eine 4 m breite und 56 m lange Aussichtsplattform, die auch als Verteidigungswall diente. Der hervorragende Rundblick, den man vom Berggipfel aus hat, vermittelt einen Eindruck von der strategisch günstigen Position der einstigen Burg.
Der Rückweg führt uns wieder über die nun schon bekannten Pfade. Wer nicht die ganze Strecke zu Fuß gehen will, kann an der asphaltierten Straße 439d den Bus in Richtung Volterra nehmen. (Fahrkarten vorher besorgen!).
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